Kolumbien – als bewaffneter Arm der USA

Am 27.Mai 2020 veröffentlichte die USA-Botschaft in Bogota der Hauptstadt Kolumbiens, dass ab Juni 2020 ein USA Truppenkontingent nach Kolumbien verlegt wird. Dabei handelt es sich um die „Brigade der Sicherheitskräfte für militärischen Beistand (Security Force Assistance Brigade- SFAB).

Bereits im Juni, so die Berichterstattung, sollen zunächst 48 USA-Militärs in Kolumbien eintreffen und die anvisierten weiteren 800 Militärangehörigen sollen dann im Laufe des Monats folgen.

Als Begründung für die neuerliche Aufstockung des USA-Militärs in Kolumbien wurde eine „alte Floskel“ erneut genutzt, denn es geht um die Bekämpfung der Drogenkartels in Kolumbien. Man darf bzw. man muss davon ausgehen, dass auf Grund der verstärkten Aktivitäten gegenüber Venezuela, diese Truppen an die Grenze zu Venezuela verlegt werden. Einer „grünen Grenze“ die bedingt durch den Urwald auf 2200 km Länge genügend Schlupflöcher bietet, um paramilitärische Banden nach Venezuela zu schmuggeln, um dort, wie in der Vergangenheit mehrfach praktiziert , Auftragsmorde durchzuführen, Anschläge auf wichtige Bereiche der Volkswirtschaft Venezuela zu verüben bis hin staatlich subventionierte Medikamente, Lebensmittel usw. aus Venezuela nach Kolumbien zu verbringen und dort überteuert weiterzuverkaufen.

Das die Bevölkerung Kolumbiens diese Information zuerst von der USA-Botschaft in Bogota erfuhr und nicht als Ankündigung von ihrem Präsidenten Ivan Duque, lässt die Vermutung zu, dass dieser Präsident nur der verlängerte Arm des USA-Präsidenten darstellt. Da nützt es auch wenig, dass die kolumbianische Regierung, auf Grund der Empörung von Kongressabgeordneten und aus der Bevölkerung eiligst verkünden lies, dass diese Kräfte als Antidrogenkräfte in mehreren Zonen des Landes gegen den Drogenhandel zum Einsatz kommen und die eigenen Kräfte vor Ort entsprechend auszubilden. Weiterhin wurde von Seiten der Regierung ergänzend mitgeteilt, dass sie nicht an Kriegshandlungen beteiligen und nur Beraterfunktion haben.

Das selbst Abgeordnete des Kongresses und Oppositionspolitiker gegen diesen Einsatz von zusätzlichen USA-Militärs protestierten liegt auch darin begründet, dass der Aufenthalt von fremden Truppen im Land vom Kongress bewilligt werden muss, also diese einseitige Maßnahme des Präsidenten ein eindeutiger Verfassungsbruch darstellt.

Weiterhin ist zu hinterfragen, wo der weltweite Aufschrei von demokratischen Staaten, Verbündeten, der EU geblieben ist, die sonst bei jeglichen Verdacht einer Verletzung demokratischer Rechte mit Protestnoten und wirtschaftlichen Sanktionen reagieren.

Es dürfte nicht zufällig dieser Zeitpunkt gewählt worden zu sein, da diese zusätzlichen militärische Maßnahme, die gerade nach einer misslungenen Intervention militärischer Banden mit Unterstützung unterschiedlicher Kräfte der USA gegen Venezuela Anfang Mai 2020 erfolgte. 

Ein weiteres Indiz dieser unglaubwürdigen Erklärung des Präsidenten Kolumbiens zur Truppenverstärkung ist auch die Tatsache, dass die USA in Kolumbien mit den Stützpunkten Arauca (liegt im Erdölgebiet an der Grenze zu Venezuela), Larandia (für Antidrogeneinsätze mit überdimensionierte Landebahn für B52 geeignet ausgestattet ist), Tres Esquinas, Cartagena (Marienstützpunkt), Bahia Malaga (Marinestützpunkt), Malambo (Luftwaffenstützpunkt), Palanquero (größte Luftwaffenstützpunkt),Apiay (Luftwaffenstützpunkt),Tolemaida (Luftwaffenstützpunkt)- also 8 Militärstützpunkte hat und die anderen Militärstützpunkte um Venezuela in Peru, Paraguay, Puerto Rico, Costa Rica, El Salvador, Honduras inkl. der ständig in der Karibik kreuzenden 4.US-Flotte ein enorme Konzentration an Kriegsmaterial besitzt, die eine ständige Gefahr für lokal geführte Kriege vorrangig gegen Kuba, Venezuela und Nicaragua darstellen, aber auch gleichzeitig als Einschüchterung gegenüber jenen Regierungen dienen, die für eine staatliche Souveränität kämpfen.

 

Letztendlich ist aber auch ein historischer Rückblick notwendig, um gewisse Zusammenhänge zu verstehen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Kolumbien zum Angriff auf Venezuela anbietet. 

Am 26. Juli 1901 sind auf Befehl von Jose Marroquin (konservativer Regierung), ein Regiment von 6000 Kolumbianern in Venezuela eingefallen. „Diese Armee hatte den Slogan gebracht, unsere Städte zu plündern, unsere Ehre zu trüben und uns mit den Früchten unserer Arbeit zu bereichern.“ Angesichts dieser Aggression von Kolumbianern erklärte der damalige Präsident Venezuelas Cipriano Castro:“ Das heilige Gebiet des Heimatlandes wurde von einer Armee von Kolumbianern besetzt. Landsleute, ich bitte und fordere im Namen Venezuelas die entschiedene Hilfe aller ihrer Kinder.“

Dieser emotionale Weckruf an das Volk Venezuela zeigte umgehend Wirkung. Die Venezolaner gingen sofort hinaus, organisierten sich und stellten sich den Invasoren. Der Heldenmut dieser Venezolaner kannte keine Grenzen und trotz der Tatsache, dass die eigenen Streitkräfte gegenüber den Invasoren zahlenmäßig unterlegen waren, versetzte der Freiheitswille und die Überzeugung einen gerechten Kampf zu führen den Venezolaner so viel Kraft, dass die Invasoren aus den Schützengräben vertrieben wurden und das Land verlassen mussten.

Gleichzeitig wurden zwei geopolitische Richtungen während dieses Krieges deutlich. Auf der einen Seite standen sich jene Kräfte des Bolivarismus und auf der anderen Seite jene des Monroismus antagonistisch gegenüber.

Der Bolivarismus verkörpert die Souveränität der südamerikanischen Nationen gegenüber dem expansiven Vormarsch der USA. Dieser Bolivarismus wurde seinerzeit verkörpert vom Präsidenten Venezuelas Cipriano Castro, dem Präsidenten Ecuadors, Eloy Alfaro, des Präsidenten Nicaraguas, Jose Santos Zelaya und dem liberalen kolumbianischen Führer Rafael Uribe Uribe. Diese Vier unterzeichneten bereits 1900 einen Pakt in dem diese Grundlagen im Abkommen festgehalten worden ist.

Auf der anderen Seite repräsentierten die USA und die kolumbianische Oligarchie jene Pläne, die strategische Position Südamerika einzunehmen, um ihre Vormachtstellung auszuüben.

Damals schon bedienten sie sich schon Versallenregierungen, um jegliche Regierungen die für eine nationale Unabhängigkeit kämpften zu desstabilisieren. Bereits zu diesem Zeitpunkt galt es in erster Linie die Avantgarde des damaligen antiimperalistischen Kampfes, den Venezuela in Lateinamerika einnahm, zu bekämpfen. In dieser Koalition galt Kolumbien als eine Art „Erfüllungsgehilfe“ der USA. Die Teilnahme Kolumbien bestand darin, dass seine Armee als Speerspitze gegen die Nachbarländer bereitstand und ausländische Truppen ihr Territorium für militärische Zwecke zur Verfügung stellte. Schon damals geschah dieses nicht ohne Gegenleistung der USA, denn die kolumbianische Oligarchie wurde als kleiner Partner der USA hofiert mit der Option ihr Territorium auf Kosten der Nachbarländer zu erweitern. Das würde dann  unter dem Schutz der USA legalisiert werden.

Für diesen Freiheitskampf den die Verbündeten des Bolivarismus gab es auch Verbündete unter den Kolumbianern selbst, so wie der liberale Rael Uribe Uribe der damals fragte „ Mit welchem Recht gefährdet Kolumbien für sein alleiniges privates Interesse die Unabhängigkeit und die Zukunft der anderen spanisch-amerikanischen Republiken und begünstigt die übermäßige Entwicklung des Yankee-Imperialismus.“

Nach der Niederlage belohnten die USA „als ihre guten Verbündeten“ Kolumbien „großzügig“ für seine Invasion gegen Venezuela, wo sie bereits 1903 das Territorium Panamas vollständig stahlen und das Recht auf Enteignung „inkompetenter Rassen“ rechtfertigen.

Die Bedeutung Kolumbiens als Satellitenstaat der USA hat historische Wurzeln und stellt seit vielen Jahrzehnten ein „Spannungsherd“ in der Region Lateinamerika da. Damals wie heute gibt Kolumbien sein Territorium auf und wird erneut zum bewaffneten Arm der Gringo-Regierung (USA-Regierung). Es wird nachweislich auf dem kolumbianischen Hoheitsgebiet, dass Zusammenspiel mit der USA-Armee geübt. Unter dem Vorwand der „Operation Antirdrug of Greater Efforts“ (Antidrogenkampf) sollen Einheiten der kolumbianischen Armee im Kampf gegen den Drogenhandel ausgebildet werden.

Die Frage sei erlaubt, was in allen Jahren zuvor von Seiten der USA und Kolumbien gegen den Drogenhandel unternommen worden ist!  Die USA sind mit der größte Abnehmer von Drogen wie „ Ein großer Teil des Kokains wird in die Vereinigten Staaten geschmuggelt, wo sich die Zahl der Drogentoten durch Kokain - von 1,4 auf 4,5 Todesfälle pro 100.000 Menschen - zwischen 2012 und 2018 mehr als verdreifacht hat, so das US-amerikanische Gesundheitsministerium. “ (wie die Abendzeitung in München am 29.5.2020 berichtete.)

Lt. Der Internetseite von Ausbildung, Studium, Praktikum (abi-pur) wird in Kolumbien Kokain und Marihuana in erster Linie als Verarbeitungs- und Zwischenhandlungszentrum für den Export in die USA (80 %) und nach Europa genutzt.

Weiterhin hat lt. „Blickpunkt Lateinamerika“ vom 03.06.2020, dass kolumbianische Militär mehrfach im sogenannten „Krieg gegen die Drogen“ in schwere Menschenrechtsverletzungen involviert. Am bekanntesten war der Skandal um die sogenannten „falsos positivos“, bei den Zivilisten von Militärs in Guerillauniformen gesteckt und getötet wurden, um vom Staat ausgelobte Prämien zu kassieren.

Weiterhin berichten mehrere lateinamerikanische Medien und Organisationen aus Europa mit Bezug auf Lateinamerika, dass im kriegserfahrenen Kolumbien, die Amerikaner ihren militärischen Präsenz ausbauen.

Die Faktenlage macht deutlich, dass mit der zusätzlichen Stationierung von USA – Militärs in Kolumbien für den Drogenkrieg nur ein weiterer Vorwand ist, um neben den üblichen Drohgebärden gegenüber Venezuela sich auch stets die Option eines militärischen Eingreifens ins Nachbarland jederzeit offen zu lassen.

Wie absurd und unglaubwürdig, die zusätzliche, überhaupt insgesamt die Stationierung des USA-Militärs in Venezuela ist beweist u.a. die gerade beim Verfassen des Textes erschiene Meldung, dass die UNO Venezuela als viertes Land bei der Beschlagnahme von Drogen anerkannt hat.

Laut dem am Freitag dem 26. Juni 2020 vorgestellten Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen über Drogen und Kriminalität (UNODC) belegt Venezuela den vierten Platz bei der Beschlagnahme von Drogen und im Labor aufbereiteten Drogen. 

Die Informationen wurden vom Leiter des Nationalen Drogenvollzugsamts (ONA), Alberto Matheus Meléndez, veröffentlicht, der anlässlich der Präsentation dieses Berichts einen Überblick über die Errungenschaften und Möglichkeiten Venezuelas gab, zur weltweiten Drogenbekämpfung beizutragen.

Er berichtete, dass 48 % der Drogenhändler in die Vereinigten Staaten abgeschoben wurden. "Deshalb verstehen wir nicht, warum sie unser Management im Kampf gegen Drogen beschmieren wollen", sagte der Beamte. 

Darüber hinaus erklärte er, dass Venezuela in den letzten 14 Jahren 228 Flugzeuge im Zusammenhang mit Drogenschmuggel entkommen, 259 Anti-Drogen-Operationen im Land durchgeführt und 536 nicht autorisierte Start- und Landebahnen sowie 368 Kokainlabore zerstört habe.

Matheus Meléndez erklärte, dass es der Regierung in 14 Jahren gelungen ist, mehr als 40.115.334 tm Chemikalien aus dem Verkehr der Drogenhändler gezogen hat, 10.560 Vermögenswerte von kriminellen Organisationen beschlagnahmt hat.

Er sagte: "Venezuela hat es einen Frontalkampf gegen Drogen gegeben. Wir haben an der 63. Tagung der Suchtstoffkommission (CND) teilgenommen, die im März 2020 in Wien stattfand." 

Bis 2020 führten die Sicherheitsbehörden 1.500 Verfahren durch, bei denen 12.000 Kilogramm Drogen beschlagnahmt, 9 Laboratorien an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze demontiert und 11 geheime Spuren zerstört wurden, zusätzlich zur Festnahme eines Haupttäters einer kriminellen Bande. 

Darüber hinaus stellte er fest, dass die Vereinigten Staaten nach wie vor das Land mit dem höchsten Drogenkonsum sind, mit einer Zahl von Todesfällen durch Überdosierung von mehr als 70.000. 

"Jedes Mal, wenn die Vereinigten Staaten einsteigen, um den Drogenhandel zu verhindern, ist es, den Drogenhandel zu erhöhen", sagte der ONA-Chef. 

Laut dem Weltdrogenbericht 2020 ist Kolumbien mit mehr als 70 % der Weltproduktion an Drogenerzeugnissen, nach wie vor das Land mit dem höchsten Potenzial für die Kokainproduktion weltweit. 

"Es gibt einen Trend zum Handel mit Zwischenprodukten (Pasta und Kokabasis) von Kolumbien in andere Länder in Südamerika, Mittelamerika, der Karibik und Europa, für die Endverarbeitung, so der Weltdrogenbericht", sagte Matheus Meléndez.

Wichtig ist bei der Beurteilung der Situation in Kolumbien auch den Blick auf die innenpolitische Lage zu richten, denn auf Grund der innenpolitisch sehr angespannten Lage in Kolumbien selbst, wo sich die FARC-Guerilla seit August 2019 wieder zum bewaffneten Befreiungskampf bekannt hat, weil die Regierung den 2016 in Havanna geschlossenen Friedensvertrag gebrochen hat, ist ein deutliches Aufbegehren im Land selbst gegenüber den extrem vorherrschenden sozialen Missverhältnissen.

Diese neu organisierte FARC- die sich als revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Armee des Volkes bezeichnen und den Kampf gegen „ die korrupte Oligarchie, Mafia und Gewalt“ aufgenommen haben ist die große Hoffnung der überwiegend armen Landbevölkerung und der heranwachsenden Jugend im Land. Diese FARC-Organisation steht neben der Beseitigung der sozialen Ungerechtigkeit im eigenem Land auch für ein friedliches Zusammenleben aller Volker und wäre ein Garant für den Frieden in dieser Region und könnte das Ende des langen Arms der USA in Lateinamerika bedeuten, wo die staatliche Souveränität und Unabhängigkeit endlich dem freien Volk von Kolumbien gehört.

Um diese neu organisierte FARC zu bekämpfen und die bestehenden Machtverhältnisse in Kolumbien auf Dauer zu betonieren, wird auch der zusätzliche Einsatz der USA-Militärs dienen.

Carsten Hanke